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Bilder sprühen vor Aktivität

Ghanaerin stellt in der Kulturmühle aus / Kräftige Farben dominant

Von unserem Redaktionsmitglied Barbara Kaßler

Berne. Trommelwirbel ließen am Freitag Abend die Luft in der Berner Kulturmühle erzittern und verhießen Unbekanntes. Pascal Kleye und Ben Njaku von der Elfenbeinküste stimmten die rund 40 Gäste auf das Kommende ein -die Eröffnung der Ausstellung von Rose "Radzo" Ntsri. Die Künstlerin aus Ghana, die erstmals selbst bei einer ihrer Vernissagen in Deutschland dabei war, stellt bis Sonntag, 8. August, Bilder und Kleidungsstücke in der Mühle aus.

Die Aquarelle und aquarellierten Bleistiftzeichnungen sprühen vor Farben- und Lebensfreude. Mit kräftigen blauen, braunen und roten Farbzügen stellt die 33jährige Künstlerin Alltagssituationen ihrer Heimat dar, insbesondere Frauen -beim Wasserholen, beim Tanzen, beim Gespräch auf der Straße oder dem Markt. Aber auch Männer kommen nicht zu kurz. Sie sind beispielsweise als Fischer beim Knüpfen eines Netzes zu sehen. Obwohl die Bilder vor Realität strotzen, sind sie keine Abbilder realer Situationen. "Ich stelle mich nicht hin und zeichne etwas ab", so die Künstlerin. "Die Bilder entstehen in meinem Kopf." Für sechs Wochen ist die 33jährige jetzt auf Einladung des Bremer Vereins LOSITO in Deutschland. Im Anschluss an Ihre Ausstellung in Berne stellt sie gemeinsam mit einer Freundin in einem kostenlosen Workshop in der Hansestadt (9. bis 21. August) ihr Projekt und ihre Produktionstechniken vor.

In ihrem Heimatdorf Alavanyo in der Volta Region bildet Rose Ntsri derzeit vor allem ältere Frauen im Kunsthandwerk aus. Das Unternehmen nennt sich Radzo & Losito Arts and Craft Projekt und will helfen, den Teilnehmerinnen mit Malerei, Schneiderei, Batiken und Töpferei eine eigene Einkommensquelle zu erschließen.

Neben ihren neuesten Zeichnungen hat die Künstlerin Batiken aus ihrer Sammlung mitgebracht. Einige Motive sind auch auf Postkarten abgedruckt. Bis auf zwei Bilder sind alle ausgestellten Stücke verkäuflich. Die Ausstellung "Bilder meines Landes" ist noch bis zum 8. August sonntags zwischen 14 und 18 Uhr und wochentags nach Vereinbarung (...) geöffnet. Den Abschluss der Vernissage bildete Theresa Agbe und Clifford Buardo mit traditionellen Tänzen aus ihrer Heimat Ghana.

"Weserkurier" vom 27.7.1999

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Das Visum verweigert

"Dialog" – Vernissage ohne die Künstlerin

Leeste (ax). "Da hat man uns einen ganz schönen Strich durch die Rechnung gemacht", stöhnt Azza Abdel Aal, die zusammen mit ihrem Mann Mohammed die Galerie "Dialog" in der Leester Straße führt.

Nachdem der Bremer Verein "Losito", der sich den afrikanisch – europäischen Kulturaustausch auf die Fahnen geschrieben hat, schon am vergangenen Wochenende in der Galerie des ägyptischen Ehepaares Malereien von Menschen aus den ghanaischen Städten Alavanyo und Tamale ausgestellt hatte, sollte am kommenden Wochenende eine weitere afrikanische Künstlerin mit einer Auswahl aus ihrem Schaffen zu Wort, vielmehr zu Bild kommen – Rose Ntsri aus Accra/Ghana.

Doch diesen Plan durchkreuzt der berühmte Strich, den Abdel Aal ansprach. "Die deutsche Botschaft in Ghana hat sich geweigert, Frau Ntsri ein Visum auszustellen", verkündet der Verein Losito in einer Pressemitteilung, "und das, obwohl das Auswärtige Amt in Bonn zusammen mit anderen Institutionen die Einladung finanziell unterstützt hätte."

"Ich habe mit der Botschaft in Accra telephoniert" , bestätigt Galeriebesitzerin Abdel Aal. Dort habe man ihr klar gemacht, dass gemäß § 66 des Ausländergesetzes nicht einmal Gründe für die Ablehnung der Einreisegenehmigung genannt werden müssen.

"Offensichtlich reicht ein Rückflugticket und die Übernahme aller Kosten nicht aus, Menschen aus Nicht EU- Ländern als Künstler in unserer Region begrüßen zu können", ärgern sich die Losito – Vereinsmitglieder.

Nichtsdestotrotz, die Ausstellung soll stattfinden, auch ohne Künstlerin. Allerdings, so räumte Galeristin Abdel Aal ein, sind bis zum jetzigen Zeitpunkt erst zwei Bilder der Ghanaerin in Leeste eingetroffen. Der Rest befindet sich noch auf dem Postweg von Accra nach Weyhe. Doch selbst wenn sie nicht rechtzeitig in den Ausstellungsräumen hängen, geschlossen bleiben die Türen der Galerie "Dialog" zum offiziellen Eröffnungstermin am Samstag, 17. August, um 17 Uhr nicht. "Wir wollen gemeinsam mit den Besuchern ein Solidaritätsschreiben an Rose Ntsri verfassen und ihr darin unser Bedauern ausdrücken", berichtet Abdel Aal.

"Kreiszeitung" vom 15.8.1996

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Bunte Grüße aus Ghana nach Weyhe

Verein "Losito" lässt Bilderfreundschaften entstehen

Von unserer Mitarbeiterin Maike Nicolai

Weyhe – Leeste. Farbenfroh, teils gekonnt und teils sehr kindlich sind die Bilder die der Verein "Losito" in der Leester Galerie "Dialog" zeigt. Ghanaer im Alter von acht bis 92 Jahren, darunter Marktfrauen, Kinder; Lehrer und Schüler einer Berufsschule haben ihre Umgebung eingefangen, um sie den Europäern zu zeigen und mit ihnen "Bilderfreundschaften" zu schließen.

Die Idee des "Losito" – Vereines entstand 1988, als Susi und Hannes Grinninger nach Abene im Senegal reisten und ihr Gastgeschenk, ein Stoffbild mit Figuren, am Weg zum Brunnen des Dorfes ausstellten und Papier und Farben dazulegten. Der Aufruf zu einer malerischen Antwort auf das Bild fand Anklang, und bald wurde in Abene eifrig gemalt. Die senegalesischen Bilder wanderten nach Österreich, und ein künstlerischer Austausch war entstanden. Die Gruppe von afrikanischen und europäischen Malern gab sich den Namen "Losito".

"Losito" stammt aus der westafrikanischen Mandinka – Sprache und bedeutet soviel wie "gebündeltes Brennholz". Es soll das Versprechen von wärmendem Feuer ausdrücken, dem Feuer an der Kochstelle, von Gemütlichkeit und Licht, aber auch die Gefahr, zu verbrennen und zu vernichten.

Seit vergangenem Sonnabend leuchtet das "Losito" – Feuer auch in Weyhe. Felix Quadflieg vom Bremer Verein zeigte sich freudig überrascht, dass so viele zur Ausstellungseröffnung gekommen waren. Der Zauberer Komla aus Togo zeigte ein paar seiner Tricks, bevor die Gäste entweder gleich zu Pinsel und Farbe greifen oder erst in der Ausstellung die nötige Inspiration suchen konnten. Vier Monate hatte Quadflieg in Alavanyo im Südwesten Ghanas und in Tamale, das im Norden liegt, verbracht. "Wir hatten ein offenes Atelier bei unserem Haus. Außerdem sind wir auf den Markt gegangen und haben mit den Frauen dort gemalt. In der Berufsschule haben sich jeden Nachmittag 30 Schüler mit uns zum Malen getroffen."

Schwellenangst kennen die ghanaischen Erwachsenen und Kinder nicht. "Wenn wir mit Stift und Papier auf dem Markt gesessen haben, kamen erst die Kleinen und dann die Großen zum Gucken", erinnert sich Quadflieg. Und dann ging es nur noch so: " Was, der hat ein Bild gemalt, das will ich auch!" Im Nu füllten sich die Sammelmappen der Europäer mit "Losito – Bildern", die als "Bilder von Menschen an ihren Orten" gedacht sind.

Wer wollte, konnte sich das Motto "Mein Bild von Europa – Mein Bild für Europa" zum Thema nehmen. So entstand zum Beispiel eine Straßenkreuzung in Wasserfarben. Eine Marktfrau malte eine ganze Reihe von Kpalogo – Tänzerinnen. Die jüngste Künstlerin, Giesu Satia, zeichnete ihr knallbuntes Zuhause, der älteste, schon fast blind, erfand eine neue ghanaische Flagge. Von dem Leben in Afrika erzählen die Bilder von Vogeljagd, Palmweinzapfern und das eines Mannes mit Kokosnuss.

Ein schon fast ironisches Bild stellt den Bau einer Bewässerungsanlage dar. Im Hintergrund werden noch Verträge unterzeichnet, ein Mann mit Videokamera überwacht das Ganze. Nach einer Diskussion über die Rollenverteilung entstand ein Bild, in dem eine Frau zeigt, was sie in ihrer Familie zu tun hat, während der Mann ein Buch liest. Ein häufiges Motiv waren Seejungfrauen, die in Westafrika "Mami Water" heißen. "Die haben aber nichts mit den europäischen Märchen zu tun, sondern werden wie Meeresgöttinnen verehrt", erklärt Quadflieg.

"Weserkurier" vom 12.8.1996

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Bilder für mehr Verständnis

Zwei sehenswerte Ausstellungen afrikanischer Malereien in Weyhe

Weyhe (rsc). Losito – hinter diesem Begriff verbirgt sich eine Idee für die Verständigung von Menschen zweier Kontinente. Vor Jahren besuchten Europäer zwei ghanaische Gemeinden, verschenkten Pinsel, Farben, Stifte und Papier. Begeistert machten sich afrikanische Marktfrauen, Studenten und Schüler daran, ihre persönlichen Alltagserlebnisse zu malen. Was dabei herauskam, ist ab Sonnabend, 10.August, in der Leester Galerie "Dialog" zu sehen.

Die Malereien sind jedoch mehr als bloße Darstellung. Sie sind Aufforderung, selbst mit dem Werkzeug des Malers zu antworten. Eigens dafür können die Besucher der Ausstellung, die bis zum 16.August dauert, sich künstlerisch betätigen. Die Ergebnisse werden auf die Reise ins ghanaische Alavanyo gebracht. Überdies können auch Briefkontakte mit Bewohnern dieses Dorfes im Südosten Ghanas vermittelt werden.

Ein weiterer Beitrag der Galerie "Dialog" zu mehr Verständigung ist eine Ausstellung mit Werken der Künstlerin Rose Ntsri (Ghana), die vom 17. bis 31. August gezeigt wird. Wer Interesse an zeitgenössischer afrikanischer Kunst hat, dürfte mit dieser Präsentation gut bedient sein. Die Vernissage findet am Sonnabend, 17.August, um 18Uhr statt. Die Veranstalter hoffen, die Künstlerin persönlich begrüßen zu können. Außerdem singt der Internationale Buchtstraßenchor aus Bremen Lieder aus verschiedenen afrikanischen Ländern.

"Weserkurier" vom 9.8.1996

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Aus den Galerien

Afrikanische Kunst in zweierlei Versionen

... Die Galerie El Patio (Am Dobben 58) dagegen bietet bis zum 28. Juli die Ausstellung "Losito" mit Werken von Künstlern aus dem westafrikanischen Senegal. Losito steht in der Sprache der Mandinka für gebündeltes Brennholz. Und alle Werke der vierzehn Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung stammen aus einem einzigen Dorf. Welch ein Potential an Kreativität ist dort versammelt! Ohne dass es zu einer Herausbildung eines gemeinsamen Stils gekommen wäre, wie etwa bei der jugoslawischen Bauernmalerei. In jedem Falle wird die künstlerische Individualität behauptet.

Entsprechend groß ist die stilistische Spannweite der Werke. Sie erstreckt sich von der unbeholfen wirkenden Formulierung zufälliger Beobachtungen im Tagesablauf bis zur politischen Aussage des Bildes "Immigranten" und zu der agitatorischen Forderung "Free for Africa" in einem anderen Werk. Manchmal nur auf Wellpappe gemalt und mit einfachsten Mitteln realisiert, bietet sich ein Kosmos von Ausdrucksmöglichkeiten dar. Die Arbeitswelt der Fischer stellt sich bei einem Bild wie "Kampf mit dem Hai" dar, ein großformatiges Stoffbild erzählt aus dem Leben des Dorfes, dann wieder entwickelt eine Drachendarstellung phantastische Formulierungen. Ein Bild wie "Rote Köpfe" trägt deutlich surrealistische Züge, und auf andere Art weist das Portrait "Meine Großmutter" große malerische Qualitäten auf. Nie scheint diese Kunst aus dem Süden Senegals unter dem Aspekt ihrer Vermarktung zu entstehen. Das erspart ihr alles Gefällige. Von Kunst für Touristen, wie sie in Afrika auch entsteht, kann hier keine Rede sein.  d.w.

"Weserkurier" vom  28.6.1990


©LOSITO e.V.