LOSITO in Afrika |
|
| LOSITO entsteht | |
|
Im Januar/Februar 1989 reisten wir in den Süden Senegals, die Casamance. Mit Malutensilien im Gepäck erreichten wir Abene, ein Fischerdorf nahe der Grenze zu Gambia. Aus der anfänglich privaten Tätigkeit des Bildermalens entwickelte sich sehr schnell eine öffentliche Aktion: Neugierige Jugendliche ergriffen die Gelegenheit, sich selber im Malen auszuprobieren. Die Malerei war sofort ein willkommenes Ausdrucksmittel. Bald malten Menschen verschiedenen Alters, verschiedenster Berufe und beiderlei Geschlechts. Die Bilder wurden an einer Stelle gesammelt, die MalerInnen diskutierten über eigene und anderer Arbeiten. Die Gruppe gab sich den Namen LOSITO. |
|
Frauen aus Abene beteiligen |
|
| LOSITO ist
gebündeltes Brennholz. Es ist ein Wort aus der Sprache der Mandinka. In diesem Dorf
werden mehr als fünf Sprachen gesprochen, von der Mehrheit der 1400 BewohnerInnen:
Mandinka. In Gambia ist Mandinka eine der Hauptsprachen.
Bilder, die Menschen an ihren Orten zeigen: Das Meer, Fischer, der Busch, Palmweinzapfer, Arbeiten im Feld, im Dorf. Zusammensein. Bilder, genährt von weiten Gesprächen. Tage und Nächte. Bilder von Amath Guisse, dem Korbflechtkünstler, von Modu Alieu Badije, der auch Kartonarbeiten für Touristen herstellt, von Samba Koulibali, der nachts in der einen Hand die Petroleumlampe hält, mit der anderen den Pinsel führt auf einem Stoff, der größer als die Wand seines Zimmers ist. Bilder vom Fischer Kalilou Fatty, der seine Großmutter Fatou Kammara so malt, dass alle im Dorf sie erkennen. Fatou Kammara überrascht alle mit ihrer Zeichnung einer Palme. Bilder von Oumar Diane, der mit seinem Bild "Menschen" schließlich eine Welle von Menschenzeichnungen auslöst.... Bilder von Menschen an ihren Orten! Inzwischen ist LOSITO Bewegung geworden, die sich in einer Fülle von Aktivitäten, Diskussionen, Annäherungen, Lernprozessen repräsentiert. Zu Beginn stand die Idee von Bilderfreundschaften im Vordergrund. Bilder aus Abene, die wir mit nach Deutschland und Österreich bringen und die dazu auffordern sollen, mit den "Menschen an ihren Orten" in Kommunikation zu treten. |
|
| LOSITO im südlichen Afrika | |
| Der erste Aufenthalt im südlichen Afrika von LOSITO-Bremen
war 1992/1993 in Namibia, genauer gesagt auf Otjikondo,
einer Rinderfarm und Schule für Farmarbeiterkinder im Norden des Landes. Wir verbrachten
dort ca. drei Monate, arbeiteten im Garten der Schule mit, gaben Kindern
Nachhilfeunterricht in Englisch, denen die Umstellung des Unterrichts von Afrikaans auf
Englisch zu schaffen machte und feierten mit den Farmarbeitern, Haushälterinnen und deren
Familien , lachten, diskutierten, schwatzten, tanzten und malten, malten, malten!
Für viele Erwachsene auf Otjikondo war es das erste Mal, dass sie mit Papier und Farben experimentierten. Mit Neugier, anfänglicher Scheu und vor allem großer Freude jonglierten die Menschen mit Pinseln, Wasserfarben, Stiften, Papier. Wieder entstanden "Bilder von Menschen an ihren Orten", die durch Kühnheit und Klarheit, Farbenspiel und Linienführung verblüffen. Viele der Bilder gaben immer wieder Diskussionsstoff für lange Abende und kontroverse Ansichten über Realitäten, Wahrnehmungen, Geschichten, tägliche Arbeiten und Lebensumstände. |
|
Bilderausstellung auf |
|
| Vollbemappt mit
Bildern von "Menschen an ihren Orten", übervoll mit Ideen, unverdauten
Erfahrungen, Erlebnissen und Freundschaften reisten wir Ende März wieder nach
Deutschland. Schon ein Jahr später konnten wir unseren Plan wahr machen und unsere
Freundin und LOSITO Künstlerin Auguste Gaeses nach Deutschland einladen, wo wir uns im
Rahmen der in Bremen stattgefundenen Namibia-Kultur-Woche mit einer Ausstellung der auf
Otjikondo entstandenen Bilder beteiligten. Ganz im Sinne von LOSITO war die Ausstellung
zugleich Treffpunkt und Gesprächsforum für viele Besucherrinnen und Besucher. Wie so oft
richteten wir auch diesmal eine Malereiwerkstatt ein, an der sich jene beteiligten, die
auf die Namibia Bilder antworten oder eigene Mitteilungen an die Menschen in Namibia
richten wollten. Es entstanden eine Vielzahl und eine Vielfalt von Bildern, über deren
Ausdruckskraft und Ideen wir überrascht waren. Der Grundstein zum Austausch war wieder
einmal gelegt. Und so dauerte es nicht lange bis die Planungen unserer nächsten Reise
konkrete Formen annahmen.
Im August 1994 gelangten wir von Johannesburg, im neuen demokratischen Südafrika aus, nach Zimbabwe, einem der früheren Frontstaaten im Kampf gegen das alte Apartheidregime. Kurs war Nyahode, ein kleines Bergdorf circa 20 Kilometer südöstlich von Chimanimani, eine der fruchtbareren Gegenden von Zimbabwe. Dort wohnten wir in einer Rundhütte im Dorf, das weder an Elektrizität noch an die Wasserversorgung angeschlossen ist, wo es einen Brunnen für die fünfhundert BewohnerInnen gibt und die Herdfeuer niemals ausgehen. Auch hier waren die Malmaterialien, Wasserfarben, Bunt- und Wachsmalstifte, Pinsel und Papier schnell im Dorf im Umlauf, wurde interessiert das Angebot wahrgenommen, sich durch die Malerei auszudrücken. |
|
Susan Mudiko "Friendship" |
|
| Gegen Ende unseres
dreimonatigen Aufenthalts stellten wir alle entstandenen Bilder zusammen mit den aus
Deutschland mitgebrachten an den Wegrändern des Dorfes aus. Selbstverständlich gab es
noch einmal eine Malereiwerkstatt, wo alle ihrer Stimmung Ausdruck verschaffen konnten.
Mit dem Versprechen des Wiedersehens verließen wir Nyahode in Richtung Namibia, dem Ziel
des Bilderaustauschs von 1992.
Wir erreichten Windhoek, die Kapitale des Landes im November. Und im Dezember hatten wir schon unsere erste LOSITO Malaktion in Opuwo, im Nordwesten des Landes. Wir zeigten auf dem kleinen Markt des Ortes die Bilder aus Zimbabwe und Deutschland. Nach den ersten Abtastungen war das Eis in der heißen Sonne schnell dahingeschmolzen und in nullkommanix wurden Farben und Papiere von Kindern und Erwachsenen, Frauen und Männern verwendet. Einen Teil dieser Malereien, sowie einen Teil der Zimbabwe Sammlung und die Antwortbilder aus Deutschland stellten wir dann im Januar und Februar in der "Namibisch-Deutschen Stiftung für kulturelle Zusammenarbeit" in Windhoek aus. Die Eröffnung war ein großes Ereignis, der befreundete GanGanDaRa Chor aus der Township Katutura bestritt das Eröffnungskonzert an jenem Abend, das von allen BesucherInnen genossen wurde. Eine Feier der Begegnungen, der Kontroversen, der Diskussionen. Die dortige Malereiwerkstatt erwies sich diesmal als zu klein geplant, sie drohte aus allen Nähten zu platzen. |
|
Joe Madisia und |
|
|
Eine Woche darauf lud LOSITO-Bremen zu einer öffentlichen Diskussionsrunde ein, an der als besondere Gäste die namibischen KünstlerInnen Josef Madisia, Ndinolago Shaanika, Adelheid Lilienthal und Hercules Viljoen teilnahmen. Es interessierten sich fast dreißig Menschen für das Thema "Sollte es eine authentische afrikanische Kunst geben?". Auch hier ging es wieder äußerst kontrovers zu, vor allem zwischen den weißen "Deutschsüdwestlern" einerseits, die einem sehr konservativen Kunstverständnis anhingen und vor allem die fehlende oder mangelnde maltechnische Ausbildung der LOSITO KünstlerInnen beanstandeten und dem Großteil der anwesenden namibischen Kunstschaffenden andererseits, die mit uns übereinstimmten, dass der kommunikative Aspekt der Kunst viel mehr gewürdigt und betont werden müsse. |
|
| LOSITO-Bremen in Ghana | |
|
1996 reisten wir von LOSITO-Bremen nach Ghana. Wir wohnten in Alavanyo, einem 1000 Seelen Dorf am Voltasee, in der Grenzregion zu Togo. In Zusammenarbeit mit der Norddeutschen Mission Bremen war es uns möglich, in der Berufsschule der E.P.T.T.C. mit den SchülerInnen, LehrerInnen und den Angestellten der Schule zu arbeiten. Es war zunächst interessant, den Schulangehörigen verständlich zu machen, dass wir nicht gekommen waren, ihnen etwas beizubringen, sondern, dass wir (auch) etwas von ihnen lernen wollten. Oder etwa, dass wir keinerlei geschäftliches Interesse hätten, von wegen des Verkaufs von Bildern in Deutschland oder ähnlichem. Nach zwei Tagen hatte sich eine etwa 20 köpfige Gruppe herausgeschält, mit der wir von nun ab täglich die Nachmittage verbrachten: malend, erzählend, zuhörend, diskutierend. Unsere Absichten wurden natürlich nicht nur den Schulangehörigen bekannt: Bald kamen Leute jeden Alters (der Älteste war über 90!) und beiderlei Geschlechts zu uns, luden uns ein, oder ließen sich von uns Pinsel, Farben, Papier geben, um daheim zu malen. |
William Dongo aus Alavanyo.
Nathaniel Osei |
|
Die Markttage im Dorf nutzten wir, die Marktfrauen zu animieren, etliche Bilder anzufertigen, die wir schließlich am Ende unseres Aufenthaltes in einer großen Ausstellung auf dem Marktplatz präsentierten. Auch hier fuhren wir mit dem Versprechen nach Hause, Bilderfreundschaften zu organisieren und den Bremerinnen und Bremern zu zeigen und zu erzählen, wie die Menschen in Alavanyo leben. |
|
![]() |
|
|
Schon im selben Jahr konnten wir einen Teil der mitgebrachten Bilder in der Galerie "Dialog" in Leeste bei Bremen zeigen. Wie immer richteten wir auch diesmal eine Malereiwerkstatt ein, die dank des guten Wetters im Freien stattfand. Der "Internationale Buchtstraßenchor " aus Bremen sang zur Eröffnung der Ausstellung afrikanische Lieder aus seinem Repertoire. An Austausch- und Antwortbildern konnten wir so viele, wie noch nie zuvor mitnehmen! Als zweites Vorhaben war geplant, die ghanaische Künstlerin Rose Ntsri aus Accra einzuladen und eine Ausstellung ihrer Werke zu organisieren. Und obwohl ihr Aufenthalt in Bremen zum Teil vom Kulturreferat des Auswärtigen Amtes in Bonn mitfinanziert wurde, verweigerte die Deutsche Botschaft in Accra ihr ohne jegliche Begründung das erforderliche Besuchervisum. Alle Proteste halfen nichts, und wir entschlossen uns, gegen diese Politik der Ausgrenzung und Aussperrung seitens der Bundesrepublik gegenüber Menschen afrikanischer Herkunft zukünftig etwas zu unternehmen, indem wir verstärkt daraufhin arbeiten, die persönliche Begegnung von Künstlerinnen und Künstlern aus afrikanischen Ländern und aus Bremen zu ermöglichen. Um eine solide Austauschbasis und eine kontinuierliche LOSITO Arbeit zu gewährleisten, beschlossen wir, die Etablierung ständiger LOSITO Büros in den jeweiligen afrikanischen Ländern zu fördern, die organisatorisch und finanziell unabhängig von uns in Bremen arbeiten sollen. |
|
Teilnehmerinnen des Batik-Kurses von
Mit selbstgefertigten Holzstempeln |
|
©LOSITO e.V.