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Salon fähig
Im 17. und 18. Jahrhundert wurden die Treffen literarisch, künstlerisch oder politisch interessierter Kreise als Salons bezeichnet. In Frankreich luden Mademoiselle de ScudŽry, Madame de Maintenon und die Marquise de Rambouillet zu Diskussion und Austausch ein, der Salon von Karoline Pichler war Treffpunkt des literarischen Wiens und Goethe schätzte in Weimar den Salon Johanna Schopenhauers. Was im Brockhaus lapidar als Empfänge geistreicher Damen bezeichnet wird, stellte damals für eine politische Randgruppe, die Frauen, einen ersten Raum dar, sich öffentlich zu äußern.
1999 lädt in Bremen city.crime.control zum Salon ein. Jeden Abend ab 19 Uhr
werden sich Menschen aus politischen, kulturellen und künstlerischen Projekten zu
täglich wechselnden thematischen Schwerpunkten äußern und zum zuhören, zugucken, diskutieren, debattieren, reden und austauschen einladen.
Salon war in der großbürgerlichen Wohnkultur des 19. Jahrhunderts auch die Bezeichnung für das Gesellschafts- und Empfangszimmer, einen repräsentativen Raum, in dem Gäste empfangen und begrüßt wurden. Mit der großbürgerlichen Wohnkultur des
19. Jahrhunderts haben wir wenig gemeinsam, aber auch unser Salon soll ein repräsentativer, gesellschaftlicher und geselliger Raum sein. Ein Raum, der zu Diskussion und Austausch einlädt und auch einfach nur zum Verweilen, der ein zentraler Treffpunkt und Kommunikationsort für die Dauer der Woche ist. Ein Raum, in dem wir Gäste empfangen, Menschen und Gruppen aus Bremen, Berlin und Hamburg sich und ihre Arbeit vorstellen, ihre Konzepte und (Lebens-)Entwürfe.
Salon bezeichnet auch seit dem 18. Jahrhundert regelmäßige Kunstausstellungen und dient als Name für einen Ausstellungsraum. Ursprünglich war dies der Salon Carré des Louvre und die darin stattfindenden Kunstausstellungen der Académie Royale de
Peinture et Sculpture. Als diese den Raum wechselten, wurde der Name Salon einfach mitgenommen. Da die Ausstellungen den Akademiemitgliedern und der ihren Konventionen entsprechenden Kunst vorbehalten blieben, kam es zu Protestausstellungen, für die die Bezeichnung Salon okkupiert wurde, dem Salon des Réfusés (Salon der Zurückgewiesenen) und dem Salon des Indépendants (Salon der Unabhängigen). Ende des 19. Jahrhunderts wurden Salon-Malerei und auch Salonmusik, ursprünglich
komponiert für die Salons, zu Synonymen des bürgerlichen Geschmacks, zu Bezeichnungen für gefällige Bilder und Melodien für eine breite Öffentlichkeit, erste Erscheinungen einer Massenkultur. Unser Salon ist ein temporärer Raum, kurzfristig konti-nuierlich lediglich für die Dauer einer Woche, nicht-etabliert und un-konventionell, nicht immer gefällig und auch nicht immer massen-kompatibel. Der Salon ist nicht auf die Kunst beschränkt. Vielmehr sollen Kunst, Politik und Kultur Verbindungen ein-gehen, miteinander agieren und gemeinsame Formen und Möglichkeiten suchen,
finden und aufzeigen. Der Salon soll eine Ausstellung vielfältiger Stadt- und Lebenskulturen und ihrer unterschiedlichen Äußerungen sein.
Letzte Assoziation zum Salon ist der Frisiersalon oder auch Modesalon, Salon als Bezeichnung für einen Geschäftsraum. Geschäfte wollen wir nicht machen, aber der Salon soll in einem Geschäftsraum stattfinden, in einem Ladenlokal im Viertel. Wo dies genau sein wird, müßt ihr der Tagespresse entnehmen und Ausschau halten nach Plakaten,
Flyern und Programmen. Ein öffentlicher Raum soll geschaffen werden, um künstle-rischen und politischen Projekten die Möglichkeit zu bieten, sich zu präsentieren, eben: Öffentlichkeit herzustellen.
thomas böker (zakk)
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