Die Mission


liegt offen zur Straße und leuchtet abends gelb oder blau-violett. Eine vielschichtige Raumstation in der Hamburger Neustadt, zwischen Musikhalle, Landessozialamt und Axel-Springer-Verlag. Hinter den großen Schaufenstern eines Galerieraumes materialisiert sie sich als fester Untergrund für gesellschaftlich Ausgegrenzte wie Wohnungslose, Arbeitslose, DrogenbenutzerInnen, aber auch für KünstlerInnen und andere Freiwillige.

Die Missionisten haben diesen ursprünglich kurzfristigen Ausnahmezustand in den Alltag ausgedehnt und haben mittlerweile einige Umzüge hinter sich. Von der ehemaligen Polizeiwache 11 zog die Mission in einen Ladenraum im Bieberhaus. Nach zehn guten Monaten sollte die Mission die Bahnhofsgegend verlassen, die Kündigung wurde mit gewinnbringender Vermietung und Beschwerden benachbarter Geschäftsleute begründet. Die Mission zog in die jetzigen, großzügigen Räume in der Kaiser-Wilhelm-Str. 81 um.

In der Mission gibt es verschiedene Beschleunigungsstufen: Wer müde ist, kann in einem der Betten ausruhen, wer Hunger hat, kann essen, wer lesen will, kann sich am Bücherregal bedienen, wer sich sportlich findet, kann kickern, Dart spielen oder zocken. Abends wird es schneller: Da gibt es Programm von A - Z. Wer die anderern links überholen will, kann im Team mitarbeiten oder sich an Wettrennen um den öffentlichen Raum beteiligen. Arbeitslose und Wohnungslose leiten die Mission und werden zu KulturmanagerInnen, KöchInnen und KunstkritikerInnen.

Immer wieder taucht die Mission als Einsatzkommando in den Katastrophengebieten der Stadt auf. In der Aktion >Arme helfen Reichen< wurde die Pro-System-Strategie entwickelt; Missionisten optimierten den klassenbewußten Einkauf am Neuen Wall. Es folgte >Du bist der Bahnhof< - ein Qualifizierungsprogramm für die Besucher der Wandelhalle vom S.O.S. Nettteam der Mission. In der Aktion >Innere Sicherheit kommt innen< deckte die Mission als selbsternannte Bahnhofsbürgerwehr ein Massenverbrechen auf:
Kontrollierte kriminalisierten Konsumenten.

Der Vortrag, dokumentiert durch Dias und Videos von Aktionen, wird die Entwicklung und Geschichte der Mission aufzeigen. Folgende Fragen sollen intensiver diskutiert werden:
  • Welche Rolle spielt die Mission in der Kultur- und Sozialpolitik, bzw. wie wird sie von dieser Seite (vor dem Hintergrund der Selbstgorganisation) instrumentalisiert?
  • Kann die Mission den Veränderungen öffentlichen Raumes, dem Sicherheits-, Sauberkeits- und Ordnungdiskurs (bezogen auf Hamburg), aber auch der Diskussion um neue "niedrigschwellige" Beschäftigungsprojekte mit dem Charakter von Zwangsarbeit etwas entgegensetzen, bzw. die öffentliche Diskussion beeinflussen?
  • Nach den Versuchen und Erfahrungen der letzten Jahre vor allem mit den InnenStadtAktionen!: Kann die Mission ein weiterführendes Moment sein, die Gefahr einer StellvertreterInnenpolitik zu vermeiden und vor allem die am deutlichsten von der Sicherheitspolitik Erfaßten miteinzubeziehen?
  • Inwiefern könnte die Mission ein Modell für die >Stadt für Alle< darstellen und welche Entwicklungen sind für die Zukunft denkbar?
 
 

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