|
Die
Stadt,
das Verbrechen
und die Kontrolle.
mit der griffigen wortschöpfung city-crime-control-initiative
ist eines der heutzutage vielzähligen sicherheits-konzepte
in bremen bezeichnet. die planungen sehen verschiedene city-crime-control-bereiche
vor und natürlich eine city-crime-control-zentrale. wortspiele
wie aus einem krachigen endzeit-comic.
wenn man sich diese bezeichnungen genauer anschaut, werden damit,
wenn auch unbeabsichtigt, zentrale elemente aufgezählt: die
stadt, das verbrechen gemeint ist hier schon die verletzung der
gängigen normen und schließlich die ordnung, die kontrolle
oder genauer der versuch das chaos zu beherrschen.1
also gegensätzliche aspekte, in deren spannungsfeld sich der
urbane raum befindet. dabei ist es natürlich nicht so, daß
bisher alles in bester ordnung war: soziale differenzen, armut und
ausgrenzung sind in einer stadt wahrlich keine neuen phänomene
und selten genug wurden ernsthafte schritte unternommen, diese mißstände
nachhaltig zu lösen.
doch in den letzten jahren etabliert sich in den westlichen ländern
eine neudefinition der stadt als wirtschaftsstandort, welcher sich
im scharfen wettkampf mit anderen städten finanziell, touristisch
und wirtschaftlich behaupten muß. 2
im rahmen dieses paradigmas werden neue maßstäbe entwickelt:
die eine meßlatte ist die der kommerziellen verwertbarkeit,
die alles favorisiert, was gewinn abwirft und den glanz der metropole
mehrt, und die alles ablehnt, was geld kostet und nicht in eine
städtische werbebroschüre paßt. die andere meßlatte
ist die der absicherung des standorts vor störungen und abwertenden
faktoren: durchgesetzt durch agressive sicherheitskonzepte, die
damit verbundenen ausgrenzung- und verdrängungsprozesse 3
und die sauberkeit der weißen häuserwände, begleitet
durch medial verbreitete bedrohungsszenarien. der großangriff
gegen alle gefährdungen des wirtschaftsunternehmens stadt ist
dabei, vieles von dem platt zu wälzen, was eine metropole am
leben erhält. die vielfalt, die kontraste, das neben und bestenfalls
miteinander verschiedenster lebens- und kulturformen wird reduziert
und zusammengepreßt auf einen kommerziellen mainstream.
ulf treger (zakk)
1 anders ausgedrückt: eine stadt braucht nicht nur kulturiniativen,
sondern auch eine funktionierende müllabfuhr. und auch wenn
letztere oft genug ihre aufgabe nur unzureichend erfüllen kann,
so zeigt das lediglich, daß eine stadt aufgrund ihrer komplexen
struktur eben nur schwer zu kontrollieren ist.
2 die städtischen administratoren definieren sich zunehmend
als dynamisches management des unternehmens stadt, bei dem es hauptsächlich
um eine aggressive strategie der standortprofilierung geht. (klaus
ronneberger, die stadt als themenpark -in parks in space, bremen
1999)
3 der neue strafrechtliche common sense verfolgt den zweck,
das elend zu kriminalisieren und unsichere arbeitsverhältnisse
als normal erscheinen zu lassen. und vorrangiges ziel staatlichen
handelns müsse die sicherheit sein, womit allerdings im wesentlichen
die körperliche unversehrtheit gemeint ist, während die
unsicherheit in anderen bereichen (wie arbeit, gesundheit, altersversorgung,
bildung und dergleichen mehr) ausgeblendet bleibt.
(wacquant, die armen bekämpfen - in le monde diplomatique vom
16. April 99)
|
|