wir fegen den heterosexuellen mainstream weg

kraß - kurzvorstellung
suspekt - kurzvorstellung

wir fegen den heterosexuellen mainstream weg
am donnerstag, den 27. mai sind kraß, suspekt und freundInnen von 14-17 uhr auf den domtreppen.
schwule, lesben, queers blockieren einen nachmittag lang diesen ort heterosexueller zwangspaarungsrituale. wir haben die domtreppen gewählt, gerade weil sie den heterosexuellen mainstream repräsentieren. wir wollen dort an diesem tag einen schwullesbischen raum herstellen, uns präsentieren, uns zeigen.

nicht heiraten dürfen heisst nicht unbedingt heiraten wollen:
wir stellen uns damit nicht in die tradition des treppefegens und klinkeputzens. wir müssen ab dreißig nicht in festen händen sein - und seien es lesbische oder schwule. wir wollen uns küssen und nicht freiküssen oder freigeküßt werden. wir wollen so leben und lieben, wie wir wollen, allein, zu zweit, zu dritt, mit mehreren, homo, bi und wenns sein muß auch hetero.

gesellschaftlich integriert mit krönung light
der paragraph 175 wurde 1994 aus dem strafrecht gestrichen, im bundestag wird über die gleichstellung homosexueller partnerschaften debattiert, im april wurde die ähamburger ehe“ eingeführt (beschränkt sich allerdings auf die hamburger landesgrenzen und bleibt auch da weitgehend symbolisch). lesben und schwule scheinen zunehmend gesellschaftlich akzeptiert zu sein. das geflügelte wort von der äschönen schwulen welt“ macht die runde, hochglanzmagazine stellen die frage äleben schwule besser?“, jacobs wirbt mit einer männlichen kaffeetante. lesben und schwule werden als konsumentInnen umworben: die darstellung von frauen- und männerkörpern in der werbung löst nicht mehr allein gegengeschlechtliche reflexe aus, sondern zielt auch auf schwullesbische zeichensysteme ab, auch wenn lesben hier wie in der gesellschaftlichen wahrnehmung oftmals (noch?) unberücksichtigt bleiben.

nischenpolitik und raumnöte
neben kneipen, cafés und beratungsstellen dürfen wir jetzt auch reisebüros, blumenläden und anlageberatung unser eigen nennen (der klischee-klassiker des schwulen friseurs als hip-faktor der ach- so-toleranten heteros sei mal außen vor gelassen). auch wenn wir im schwullesbischen dienstleistungssektor immerhin selbstverständlich mit unseren bedürfnissen mitgedacht werden, sind dies weitere exklusive räume, während wir in vielen räumen nach wie vor keine selbstverständlichkeit sind. ziel ist damit noch immer eine selbstverständliche präsenz im öffentlichen raum und die selbstbewußte nutzung desselben.

gleichstellungsbemühungen contra lebenslust
die gesellschaftliche integration von schwulen und lesben ist motiviert von den kriterien einer kapitalistischen verwertbarkeit. als flexibel, mobil, relativ bindungslos, konsumfreudig und anpassungsbereit definiert entsprechen lesben und schwule dem modellbild des modernen menschen. fallen wir durch dieses raster (z.b. als schwuler sozialhilfeempfänger oder lesbische migrantin) bleibt uns, wenn überhaupt, als letzte möglichkeit gesellschaftlicher akzeptanz noch die einordnung in die bürgerliche werte-gesellschaft - als respektable nachbarInnenn, nach möglichkeit unscheinbar, wenn überhaupt in monogamer partnerInnenschaft, evtl. mit hund oder katze als kindersatz. dies ist eine möglichkeit, aber wir haben viel mehr und leben viel mehr. wir wollen nicht gesellschaftlich vereinnahmt, sondern respektiert werden - mit all unseren lebensentwürfen und - wünschen. wir wollen nicht gesellschaftlich gleichgestellt werden. wir sind anders, nicht gleich und wir sind es gerne.

we are not your entertainers!
auch wenn wir eigentlich keine lust haben, unterhaltungsprogramm für den heterosexuellen mainstream zu sein, bleibt uns nichts anderes übrig, als unsere präsenz mit einem gewissen showeffekt zu inszenieren, weil wir nur so überhaupt sichtbar sind/werden. so wird jeder öffentliche kuß zwischen lesben bzw. schwulen zu einem politischen statement, egal, ob wir das wollen oder nicht. denn vorrangig küssen auch wir uns, weil wir verliebt und/oder geil sind und nicht, weil wir dem rest der welt irgendetwas über unsere sexuellen vorlieben mitteilen wollen.

i want to kiss my girlfriend in public without fear.
oder: look left, look right, look left again - if it«s all clear: kiss.
das gedankenverlorene küssen auf der strasse ist jedoch alles andere als normal für uns. wir haben ununterbrochen die möglichkeit von antischwuler/-lesbischer gewalt im kopf, was das versinken in gefühlen in der öffentlichkeit für uns praktisch unmöglich macht. an orten, wo wir mit mehr als änur“ einem blöden spruch rechnen müssen, küssen wir uns gar nicht erst, um so eventuellen konfrontationen aus dem weg zu gehen. heftigere gewalterlebnisse bleiben oft nur deshalb aus, weil wir uns nicht zu erkennen geben oder uns in unserem alltag in einem exklusiven, überdurchschnittlich ätoleranten“ raum bewegen. unser unbehelligtes benutzen des öffentlichen raums strasse ist also alles andere als alltägliche praxis. und genau darum geht es uns: wir wollen unser schwul-/lesbischsein nicht auf die äsicheren“ orte oder gar auf die eigenen vier wände beschränken müssen, sondern überall dort, wo wir uns in unserem alltag bewegen (supermarkt, strassenbahn, fussgängerInnenzone, arbeitsplätze,...), dies selbstverständlich und sichtbar auch als lesben und schwule tun können, wann und wo immer wir wollen.

eine aktion von kraß und suspekt

desweiteren:
eine multisexuelle diashow im öffentlichen raum und die aktion äräudige hunde und streunende katzen“: wir markieren schwullesbische orte


kraß
kurz:
bar für lesben, schwule, queers - jeden freitag ab 22 uhr im zakk, sielpfad 11, bremen-ostertor. lang:
recht professionelle barschlampen arbeiten unbezahlt in einer hochexplosiven mischung zwischen bunter beleuchtung, prolligem punkrock, schicken schlagern, herbem house, transgender-trips, dekorativen dj’s, lebenswerter langeweile und unvorhersehbaren überraschungen in immer neuen kombinationen in einem weltoffenenen wohnzimmer mit exclusiver klingel, kapitalistischer kola und subversivem charme.
metaphorisch:
"you take some chocolate...and you take two pieces of bread...and you put the candy in the middle and you make a sandwich of it. and that would be a cake." (andy warhol)

suspekt
wir sind ein haufen lesben und schwuler, die einfach lust darauf haben, daß es neben den kommerziellen läden auch noch eine andere möglichkeit gibt, den abend mit spaß zu füllen: kneipe + spaß gibt es immer am 1., 3., 5. donnerstag im monat im sielwallhaus

wir fegen den heterosexuellen mainstream weg
 
 

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