Vorraum
Die Kontrolle der Räume
bezeichnet verschiedene Prozesse, die derzeit nicht nur in Bremen Raum greifen und die auf eine verstärkte Reglementierung des öffentlichen Raumes hinauslaufen. Das kann von Gesichtskontrollen über Plakatierverbote und die elektronische Überwachung von Räumen bis zu polizeilichen Räumungen gehen.
Für kleinere kulturelle oder politische Projekte wird es immer schwerer, ihren Anteil am öffentlichen Raum zu halten. Deshalb widmen wir den Zeit-Raum von einer Woche der Auseinandersetzung mit diesen Prozessen sowie der Utopie eines herrschaftsfreien Aktionsraumes, in dem diese Auseinandersetzung möglich ist.
Damit alle Beteiligten dabei auch wirklich aus sich heraus gehen, wird ein völlig neuer Raum geschaffen. Niemand soll in einer selbstgeschaffenen oder zugewiesenen, geistigen oder räumlichen Nische verharren. Kultur bedeutet den Kontakt mit anderen, kurz: Ausgehen. Denn unser Raum ist auch ein Café, das zum Ausruhen, Verweilen, Lesen, Reden und Treffen einladen soll.
Das Konzept der Woche umfaßt drei Arten von Räumen: den realen Raum, in dem sie stattfindet, den Aktionsraum, der sich aus dem vielfältigen Geschehen während der Woche ergibt, sowie einen virtuellen Raum, der sich vor allem - aber nicht nur - im Internet zeigt.
Hyperraum
Ein virtueller Raum entsteht überall, wo Wirklichkeit durch Phantasie, Fiktion, Künstlichkeit überzeichnet oder gänzlich neu erschaffen wird. Im Internet, in das sich bereits viele Funktionen des verdrängten öffentlichen Raums geflüchtet haben, findet der Kampf um Räume sein Abbild - die einen halten hier die anarchische Möglichkeit zum Austausch über räumliche wie geistige Grenzen hinweg offen, andere versuchen auch hier, Kontrollorgane zu installieren, wieder andere nutzen es als Werbefläche.
Auch wir haben hier einen Raum geschaffen, eine Homepage, die nicht nur über die Woche informiert, sondern auch eine Plattform zum Austausch bieten soll. Während der Woche wird die Homepage ständig aktualisiert, so daß auch von anderen Orten aus der Zugang zu unserem Aktionsraum möglich wird.
Bis dahin gibt es einen Überblick über den aktuellen Stand der Planungen, unsere bisherigen Veröffentlichungen, ausführlichere Informationen über die beteiligten Projekte und interessante Links.
Salon
Ein besonderer Raum in unserem Raum ist der Salon. Salons sind traditionell politisch-kulturelle Gesprächskreise in dafür geeigneten Räumen. Erst später wurde der Begriff auf den Raum selber ausgedehnt. Diese Doppeldeutigkeit von Raum und Ereignis soll auch unserem Salon zugrunde liegen. Wir haben VertreterInnen von politischen und kulturellen Gruppen in unseren Raum eingeladen, die den Ereignisraum mit ihren Ansätzen, Ideen, Ansichten füllen werden. Thematisch steht jeder Tag unter einem anderen Motto, das einen Aspekt des Umgangs mit öffentlichen Räumen bezeichnet. Der Salon findet jeden Tag ab 18.00/19.00 im Salon statt.
Plattform
Die Gruppe city.crime.control (c³) ist nicht die alleinige Veranstalterin der Aktionswoche. Sie stellt den Rahmen zur Verfügung und organisiert den Salon, doch darüber hinaus und drumherum finden noch weitere Ereignisse statt, die teilweise den geschaffenen Raum nutzen und erweitern, teilweise ganz woanders Raum beanspruchen und die von verschiedenen Gruppen und Menschen, unabhängig und unkontrolliert, organisiert werden. Die von c³ selbstauferlegte räumliche Beschränkung aufs Viertel soll dabei genauso überwunden werden wie die zeitliche auf den Salontermin.
Unser Raum wird zum Kino, zum Ausstellungsraum, zum Konzertsaal. Eine Wohnung wird zum Spielplatz, während das Viertel zum Wohnzimmer wird, dessen Sauberkeit uns ganz privat am Herzen liegt.
Politische Ereignisse mischen sich mit kulturellen und die Frage ergibt sich, ob sich diese Ereignisse überhaupt nach Kultur einerseits und Politik andererseits sortieren lassen.
Arena
Kultur ist nicht nur dann politisch, wenn sie politische Interessen vertritt oder politischen InteressentInnen ausgesetzt ist. Es gilt, ständig neu auszuhandeln, was Kultur sein und bedeuten soll, und das ist Politik. Andersrum bringt auch die Politik eigene Kulturformen hervor, zum Beispiel eben dieses Aushandeln.
Am letzten Tag der Woche wird die Verhandlung von der politischen Arena in die Kunstwelt des Fernsehens versetzt und im Rahmen einer Wettkampfshow spielerisch - also künstlerisch - inszeniert. Dabei soll jedoch nicht der allzu reale Kampf um die öffentlichen Töpfe ver-spielt, sondern auch das Spiel auf den Boden der kulturpolitischenTatsachen zurückgeworfen werden. Dafür sorgt nicht nur der Ernst des Themas, sondern auch die räumliche Verschiebung von unserem einwöchigen Frei-Raum auf den Foyerboden eines kampferprobten Theaters.
Danach wird der neu erschaffene Raum feierlich geschlossen und der Ort seiner weiteren Bestimmung überlassen. Wir schaffen, nehmen, halten woanders Platz.
Projektgruppe city.crime.control